Kurzantwort: Tencha, das Blattmaterial aus dem Matcha gemahlen wird, ist seit 2023 weltweit knapp. Die Ursache ist eine strukturelle Lücke: Der globale Matcha-Konsum ist in drei Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, die Anbaufläche für beschatteten Tencha in Japan hat sich in derselben Zeit kaum verändert. Wer heute Ceremonial-Qualität aus erster Ernte kaufen will, konkurriert mit einem Weltmarkt.
Was ist Tencha und warum entscheidet es über Matcha-Qualität?
Tencha ist kein fertiger Tee. Es ist die Zwischenstufe, das Blattmaterial, das vor der Vermahlung entsteht. Die Tencha-Blätter werden 20 bis 30 Tage vor der Ernte beschattet, typischerweise unter schwarzen Netzplanen oder traditionell unter Stroh. Im Schatten produzieren die Blätter kein Chlorophyll auf dem normalen Weg. Stattdessen erweitern sie ihre Blattfläche, um mehr Licht einzufangen, und akkumulieren L-Theanin statt es in Catechine umzuwandeln. Das Ergebnis ist ein Blatt mit tiefer Grünfarbe, hohem Umami-Gehalt und wenig Bitterkeit. Aus diesem Blatt wird Matcha.
Kein anderer Rohstoff kann Tencha ersetzen. Sencha, Bancha, Gyokuro: alle anderen japanischen Grünteeblätter ergeben nach dem Mahlen kein Matcha im eigentlichen Sinn. Wer Tencha nicht hat, hat keinen Matcha.
Die Zahlen hinter der Knappheit
Japans Tencha-Produktion lag 2023 nach Zahlen des japanischen Landwirtschaftsministeriums bei rund 4.300 Tonnen. Das klingt nach viel. Es ist es nicht. Aus 1 kg Tencha entstehen durch Entfernen der Blattrippen und Mahlen ungefähr 650 bis 700 g Matcha-Pulver. Bei einem jährlichen deutschen Pro-Kopf-Verbrauch, der sich seit 2021 mehr als verdoppelt hat, und einem europäischen Markt, der allein 2024 Importe von über 2.000 Tonnen verzeichnet, rechnet sich die Lücke schnell aus.
Der wichtigere Datenpunkt liegt bei der ersten Ernte. Ichibancha, die Frühjahrs-Ernte von April bis Mai, liefert das qualitativ beste Tencha. Die Blätter sind zart, reich an L-Theanin, arm an Gerbstoffen. Diese Ernte macht einen kleinen Bruchteil der Jahresgesamternte aus. Ein durchschnittlicher Tencha-Betrieb in Uji oder Miyazaki bewirtschaftet 2 bis 5 Hektar. Die Ichibancha-Ausbeute liegt je nach Jahr und Standort bei 400 bis 800 kg Tencha pro Hektar. Auf einer 3-Hektar-Farm sind das in einem guten Jahr rund 1.500 bis 2.400 kg Rohware, bevor die Verarbeitung beginnt.
Steinmühlen mahlen 30 bis 40 Gramm Matcha pro Stunde. Eine einzige Mühle braucht rund 1.700 Stunden, um eine Tonne Matcha herzustellen. Keine Maschine kann diesen Prozess ersetzen, ohne die Qualität zu zerstören. Schnelleres Mahlen erzeugt Wärme, Wärme oxidiert Chlorophyll und Aminosäuren.
Warum die Anbaufläche nicht einfach wächst
Eine Tencha-Plantage braucht Zeit. Neue Teesträucher tragen erst nach drei bis fünf Jahren Blatt. Die Beschattungsinfrastruktur aus Bambustäben, Seilen und speziellen Netzplanen muss aufgebaut und jährlich gewartet werden. Und das Wissen darüber, wann genau beschattet wird, wie lange, wie dicht, und welche Mikrolage auf der Farm welches Ergebnis liefert: das ist jahrzehntealtes Handwerk, das nicht aus einem Lehrbuch gelernt wird.
Japan hat außerdem ein Strukturproblem. Der Anteil der Landwirte über 65 Jahre liegt in der Landwirtschaft bei knapp 60 Prozent. Viele Familienbetriebe haben keine Nachfolger. Gute Tencha-Lagen in Uji oder Nishio werden nicht mehr bewirtschaftet, weil niemand da ist, der sie übernimmt. Eine Farmfamilie in Miyazaki, mit der kōjō zusammenarbeitet, hat das in einem Gespräch 2024 so beschrieben: In ihrer Dorfgemeinde produzieren von ehemals acht Familienbetrieben noch drei. Nicht weil der Boden schlechter geworden ist. Sondern weil die Kinder in die Stadt gegangen sind.
Klimaereignisse 2024 und 2025
Zur strukturellen Knappheit kommen kurzfristige Klimaereignisse. Die Ichibancha-Ernte 2024 war in mehreren Regionen später als geplant und qualitativ ungleichmäßig. Ungewohnte Spätfröste im April 2024 in Teilen von Aichi und Shizuoka haben junge Triebe geschädigt. Miyazaki blieb vergleichsweise verschont, was die Region für Direktbezüge in diesem Zyklus interessanter gemacht hat. Für 2025 deuten frühe Berichte aus Uji auf eine gute Ernte hin, aber die Abnahme durch internationale Käufer war bereits im Herbst 2024 fast vollständig vorgebucht.
Was das für Käufer bedeutet
Wer auf Ceremonial-Qualität aus erster Ernte Wert legt, kauft im Jahr 2025 in einem anderen Markt als noch 2020. Damals war es möglich, kurzfristig kleinere Mengen von guten Produzenten zu beziehen. Heute sind Farmkontakte und Direktbeziehungen nicht optional, sie sind die einzige Garantie für Verfügbarkeit. Großhändler, die keinen festen Farmkontakt nennen können, kaufen oft auf dem offenen Markt nach. Was dort noch verfügbar ist, wenn die ersten Käufer fertig sind, ist selten die erste Wahl.
Der Preisunterschied zwischen Ichibancha-Tencha und späterer Ernte ist in den letzten Jahren gewachsen. 2020 lag die Preisspanne zwischen bester und mittlerer Qualität bei rund 15 bis 20 Prozent. Heute ist sie deutlich höher, in einigen Regionen mehr als doppelt so groß. Die wenigen Betriebe, die exzellente Ichibancha liefern können, wissen das.
Wie kōjō mit der Knappheit umgeht
kōjō arbeitet seit dem ersten Jahr mit festen Farmpartnern zusammen, nicht mit Zwischenhändlern. Die Ernte wird im Voraus abgenommen. Das bedeutet: Wir verpflichten uns zu einer Menge, bevor das Jahr beginnt, und die Farm platziert uns entsprechend auf ihrer Produktionsplanung. Wenn eine Ernte schlechter ausfällt als erwartet, teilen wir das Risiko. Im Gegenzug bekommen wir Zugang zu den besten Lots.
Es bedeutet auch, dass unsere Mengen begrenzt sind und nicht beliebig skalierbar. Wenn eine Sorte ausverkauft ist, ist sie ausverkauft. Wir füllen keine Dosen mit Alternativware und hoffen, dass es niemandem auffällt.
Häufige Fragen
Warum ist Matcha 2025 so teuer?
Die Kombination aus gestiegener globaler Nachfrage, begrenzter Tencha-Anbaufläche in Japan und höheren Rohstoffpreisen hat die Preise für echten Ceremonial Matcha aus erster Ernte merklich angehoben. Günstiger Matcha ist entweder keine erste Ernte oder kein reines Tencha aus Japan.
Gibt es Matcha aus anderen Ländern als Japan?
Ja. China, Indien und andere Länder produzieren Matcha oder matchaähnliches Pulver. Die Verarbeitung unterscheidet sich oft grundlegend: Chinesischer Grüntee wird überwiegend pfannengeröstet (nicht gedämpft wie in Japan), die Beschattungszeiten sind kürzer oder fehlen ganz. Das Ergebnis schmeckt deutlich anders und enthält in der Regel weniger L-Theanin. Für Backen und Eis kann das ausreichen. Für puren Genuss tut es das selten.
Wird sich die Situation bessern?
Mittelfristig möglicherweise. Einige Regionen in Japan, darunter Miyazaki und Teile Kagoshimas, haben in den letzten Jahren neue Tencha-Flächen erschlossen. Diese werden ab 2026 und 2027 erste nennenswerte Erträge liefern. Das strukturelle Problem des Landwirtschaftswandels in Japan bleibt bestehen.
Kauft kōjō direkt von Farmen?
Ja. Wir beziehen von Familienbetrieben in Miyazaki (Kyushu) und Ujitawara (Uji, Kyoto), jeweils als Direktabnahme vor der Ernte. Welche Farm hinter welchem Produkt steht, nennen wir auf Anfrage.
Wie erkenne ich, ob ein Matcha tatsächlich Ichibancha ist?
Indem du nach dem Erntejahr und der Ernte fragst und eine konkrete Antwort bekommst. Erste Ernte, erstes Flush, Ichibancha: alle Begriffe meinen dasselbe. Wenn ein Anbieter das nicht benennen kann oder will, ist es unwahrscheinlich, dass es Ichibancha ist.
kōjō bezieht Ceremonial Matcha als Direktabnahme von Familienbetrieben in Miyazaki und Ujitawara. Erste Ernte, 28 Tage beschattet, traditionell steingemahlen. Ceremonial Matcha 30g und 100g findest du im Shop. Ob Vorrat verfügbar ist, siehst du direkt dort.

